{"id":671,"date":"2019-01-12T11:52:41","date_gmt":"2019-01-12T10:52:41","guid":{"rendered":"http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/?p=671"},"modified":"2019-01-26T15:34:35","modified_gmt":"2019-01-26T14:34:35","slug":"shubhashish-bhutiani-interview","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/2019\/01\/12\/shubhashish-bhutiani-interview\/","title":{"rendered":"Regisseur Shubhashish Bhutiani im Interview: Indien ist ein toller Ort f\u00fcr junge Regisseure"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_672\" aria-describedby=\"caption-attachment-672\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-672\" src=\"http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Regisseur-Hotel-Salvation-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"534\" srcset=\"http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Regisseur-Hotel-Salvation-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Regisseur-Hotel-Salvation-300x200.jpg 300w, http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Regisseur-Hotel-Salvation-768x512.jpg 768w, http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Regisseur-Hotel-Salvation.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-672\" class=\"wp-caption-text\">Regisseur Shubhashish Bhutiani bei den Dreharbeiten zu seinem ersten Spielfilm HOTEL SALVATION mit seinen Darstellern Adil Hussain und Lalit Behl.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Shubhashish Bhutiani ist ein vielversprechender Newcomer, der mit seinem Kurzfilm KUSH \u00fcber die Aufst\u00e4nde gegen die Sikh-Community 1984 schon Preise gewann, unter anderem beim internationalen Film Festival in Venedig. Sein erster Spielfilm HOTEL SALVATION (MUKTI BHAWAN), der weltweit auf vielen Festivals zu sehen war, brachte ihm einen Special Jury Award bei den National Film Awards in Indien ein. Es geht darin um einen Mann, der zum Sterben nach Varanasi reisen m\u00f6chte und dabei von seinem Sohn (<a href=\"http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/2019\/01\/06\/adil-hussain-interview-hotel-salvation-handelt-vom-leben\/\">Adil Hussain<\/a>) widerwillig begleitet wird. Gemeinsam checken sie dann in einem Hotel ein, welches die Regel hat, dass man entweder in 15 Tagen stirbt oder wieder abreist.<br \/>\nIm Interview mit dem deutschen Bollywood-Magazin <a href=\"http:\/\/www.ishq.de\">ISHQ<\/a> erz\u00e4hlte er etwas mehr \u00fcber die Entstehung seines Regie-Deb\u00fcts, das am 13.1. um 11 Uhr die <a href=\"http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/2018\/12\/10\/indische-filmtage-2019-im-schlosstheater-muenster\/\">indischen Filmtage in M\u00fcnster<\/a> er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie scheinen eine viel bessere Beziehung zu ihrem Vater zu haben, der ihren Film auch produziert hat, als die Hauptfigur im Film. Konnte Sie sich trotzdem damit identifizieren oder war das f\u00fcr Sie nicht notwendig?<br \/>\n<\/strong>Nat\u00fcrlich, ich habe den Film ja auch selbst geschrieben. Es ist mir schon wichtig, dass ich mich in die Charaktere hineinversetzen kann. Wenn wir Filme gucken, dann sind die Menschen darin ja auch nicht exakt wie wir, aber wir identifizieren uns trotzdem mit ihnen oder ihrer Geschichte. Das Drehbuch basiert also auf dem, was ich wei\u00df, auf meinen Beobachtungen und meinen Recherchen. Das half mir, mich in diese Figuren hineindenken zu k\u00f6nnen. Au\u00dferdem sind manche der Probleme, die sie miteinander haben, sehr allt\u00e4glich.<\/p>\n<p><strong>Die Themen sind ja auch sehr universell, aber zugleich kennt man diese Situationen wohl nur in Indien. Wie reagieren die Leute auf internationalen Festivals darauf?<br \/>\n<\/strong>Es gibt unterschiedliche Reaktionen. Ich kann nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr alle sprechen. Aber viele Leute sind neugierig auf MUKTI BHAWAN, weil sie von dem Konzept des Hotels noch nie geh\u00f6rt haben. Varanasi (oder Benares) ist ihnen aber ein Begriff, also wollen sie sich den Film ansehen. Sie kommen also, weil sie neugierig sind, stellen dann aber auch fest, dass es Ber\u00fchrungspunkte mit diesen Charakteren gibt. Entweder man kann sich mit einer der Figuren identifizieren oder mit den Beziehungen im Film, denn es geht um eine Familie. F\u00fcr viele geht es aber auch darum, etwas Neues zu entdecken.<br \/>\nDer Film enth\u00e4lt au\u00dferdem auch Humor und man merkt, dass man in verschiedenen Kulturen \u00fcber dasselbe lacht \u2013 in manchen vielleicht mehr als in anderen. Aber die Beziehungen und deren Dynamik sind universell, das stimmt nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p><strong>Sie haben viel Lob und Preise erhalten f\u00fcr HOTEL SALVATION. Die Leute waren aber auch \u00fcberrascht, dass Sie noch so jung sind, aber einen sehr reifen Film gemacht haben. Waren Ihre Freunde auch so \u00fcberrascht oder waren Sie schon immer reif f\u00fcr Ihr Alter?<br \/>\n<\/strong><em>(lacht)<\/em> Nein, nein! Ich bin manchmal reif und manchmal unreif wie ein Kind. Der letzte Film, den ich gemacht habe (KUSH) war mit siebzehn Kindern. Sie waren die Hauptdarsteller. Dabei hat mein Gehirn wie das eines Kindes funktioniert. Bei diesem Film musste ich anders denken. Man arbeitet ja nicht alleine daran, sondern mit Schauspielern und einem Team zusammen. Wir f\u00fcgen den Film zusammen und versuchen unsere Geschichte auf die bestm\u00f6gliche Art umzusetzen.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, ob meine Freunde \u00fcberrascht waren \u2013 manche bestimmt! Sie haben vermutlich erwartet, dass ich als meinen ersten Film etwas anderes machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Was f\u00fcr eine Sorte Film h\u00e4tten sie denn von Ihnen erwartet?<br \/>\n<\/strong>Ich wei\u00df es ehrlich gesagt nicht. Die Leute sind \u00fcberrascht, weil ich 25 Jahre alt bin, aber wenn eine Geschichte dich ber\u00fchrt, dann hat das nichts mit dem Alter zu tun. Es ist genauso, als w\u00fcrde man einen Mann fragen, warum er einen Film \u00fcber eine Frau macht. Es geht um Menschen und damit kann jeder etwas anfangen, egal welches Geschlecht wir haben, welches Alter oder aus welchem Land wir kommen. Ein Typ aus dem Iran kann einen Film in Indien drehen \u2013 wie zum Beispiel gerade Majid Majidi. Am Ende des Tages sind wir alle Menschen.<\/p>\n<p><strong>Hat die Tatsache, dass Sie so viel zum Thema Tod recherchiert haben, Ihren Blick auf das Leben ver\u00e4ndert? Oder ist das eher eine Klischee-Vorstellung?<br \/>\n<\/strong>Ich denke nicht, dass das ein Klischee ist, denn ich f\u00fchle mich definitiv wie ein anderer Mensch nach dem Film. Ich werde noch erwachsen und forme meine Ideen. Man lernt jeden Tag etwas dazu und Einiges davon wollte ich in diesem Film ausdr\u00fccken. Zum Beispiel das Gef\u00fchl, das einen \u00fcberkommt, wenn man dort am Flussufer steht, wo all diese K\u00f6rper einge\u00e4schert werden. Man kann das nicht wirklich in Worte fassen, weil es zu abstrakt ist. Es ist nicht Traurigkeit, sondern ein sehr gemischtes Gef\u00fchl. Man hat dort so viele Gedanken, \u00fcber den Geruch oder die Menschen mit ihren Angeh\u00f6rigen. Es ist schwer zu beschreiben, wie der Film meine Ansichten \u00fcber den Tod ge\u00e4ndert hat. Es geht einfach viel tiefer.<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie diese speziellen Hotels entdeckt und wie kamen Sie auf die Idee, eine Geschichte dar\u00fcber zu erz\u00e4hlen?<br \/>\n<\/strong>Ich bin von Kerala nach Varanasi gereist, als ich von diesen Hotels h\u00f6rte. Ich war als Rucksacktourist f\u00fcr drei Monate in S\u00fcdindien unterwegs und bei jedem Ort hat man bestimmte Ziele, die man ansteuert. Jedenfalls packte mich dann die Neugierde und die Verbl\u00fcffung dar\u00fcber, dass es so etwas in Indien geben kann. Ich habe erst gar nicht daran gedacht, einen Film dar\u00fcber zu machen. Das kam erste drei Monate nachdem ich dort war. Als ich das erste Mal dort war, fand ich den Ort schon interessant. Es gab dort eine Tafel direkt vor dem B\u00fcro des Managers, wo drauf stand, was die G\u00e4ste machen k\u00f6nnen und was nicht. Ich erinnere mich, dass ich das sehr witzig fand, als w\u00e4re das eine Schule oder eine Institution, wo die Leute hinkommen, um zu bleiben. In diesem Moment sprang bei mir ein Funke \u00fcber. Als ich dann mit den Leuten redete, um sie besser kennenzulernen, merkte ich gleich, dass das ganz normale Menschen sind. Sie kommen von so interessanten Hintergr\u00fcnden. Mein Gro\u00dfvater k\u00f6nnte zu ihnen geh\u00f6ren \u2013 egal wer. Als mir dann jemand erz\u00e4hlte von den Schwierigkeiten eines Sohnes, der seinen Vater hinbrachte, dann erschien mir das wie etwas aus einem Buch. Die Vorstellung dieses Dilemmas brachte mich dann auf die Idee zu dem Film.<\/p>\n<p><strong>Sind Inder vielleicht etwas gelassener was den Tod betrifft, vielleicht durch die Idee der Wiedergeburt?<br \/>\n<\/strong>Eigentlich nicht. Man kann das so pauschal nicht sagen. Die Bev\u00f6lkerung von Indien besteht aus etwa 1,3 Milliarden Menschen. Wir sind viel durchmischter und man kann die Sicht auf den Tod von einer ganzen Kultur nicht so \u00fcber einen Kamm scheren. In Varanasi sehen sie das vermutlich ganz anders als in den Gro\u00dfst\u00e4dten. Tod ist in der Stadt so allgegenw\u00e4rtig und man sieht es \u00fcberall. Eine Leiche w\u00fcrde sie nicht so sehr belasten wie jemanden aus der Stadt. Ich glaube nicht, dass sie wirklich entspannter sind, denn es ist einfach menschlich, Trauer zu empfinden und zu weinen. Wir h\u00e4ngen ja alle an denen, die wir lieben, daher ist es schwer f\u00fcr uns, sie gehen zu lassen. Es ist also nicht so, dass wir das alle so leichtfertig nehmen. Aber es gibt nat\u00fcrlich Menschen, die f\u00fchlen, dass der Tod etwas ist, was gefeiert werden sollte und einfach zum Leben dazu geh\u00f6rt. Das ist aber etwas, was man auf der ganzen Welt sieht. Ich denke, man w\u00fcrde in jeder Kultur Leute finden, die das so sehen. Es ist einfach so eine pers\u00f6nliche Sache, dass man das nicht auf alle Inder \u2013 oder Hindus beziehen kann. Die Wiedergeburt gibt es ja nur bei Hindus. Aber auch wenn man daran glaubt, ist es eine schmerzhafte Erfahrung, sich zu verabschieden. Das ist einfach die nat\u00fcrliche Reaktion auf diesen ganzen Prozess.<\/p>\n<p><strong>Adil Hussain meinte gerade, dass der Film aber auch sehr viel mehr vom Leben handelt. W\u00fcrden Sie dem zustimmen?<br \/>\n<\/strong>Ja, das ist wahr. Als ich anfing zu schreiben, sah ich sofort ein, dass ich vom Tod keine Ahnung habe. Man kann dar\u00fcber in gewisser Weise auch nichts schreiben. Ich wollte wirklich einen Film \u00fcber Beziehungen machen und dar\u00fcber, was das mit einer ganzen Familie macht, wenn jemand sagt, er m\u00f6chte gehen, um zu sterben. Es geht also wirklich mehr um das Leben und die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Tod ist nur der Kontext, aber HOTEL SALVATION ist kein morbider Film. Es ist hoffentlich ein lustiger Film, oder zumindest einer, der ein L\u00e4cheln beim Zuschauer hervorruft.<\/p>\n<p><strong>Ich habe gelesen, dass Lalit Behl nicht nur Schauspieler sondern auch Regisseur ist. F\u00e4llt es leicht mit einem Schauspieler zu arbeiten, der schon Regie-Erfahrung hat oder ist es anstrengend, weil er meint, alles besser zu wissen? Hat er Ihnen irgendwelche Tipps gegeben?<br \/>\n<\/strong>Es ist klasse, weil ich sehr offen bin f\u00fcr Vorschl\u00e4ge. Aber ich habe auch ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, was f\u00fcr einen Film ich machen will. Das interessante ist nat\u00fcrlich, dass er dreimal so alt ist wie ich, ebenso wie seine Film-Figur. Er konnte mir oft wertvolle Hinweise geben, um seine Figur abzurunden und realistischer zu machen. Ich wei\u00df nicht, ob das einfach mit seiner Arbeitsweise als Schauspieler zu tun hat oder damit, dass er auch Regisseur ist. Jedes Mal, wenn wir miteinander gesprochen haben und wenn er mit mir reden wollte, fand ich das toll, weil ich dadurch noch besser gearbeitet habe. Es bringt einen dazu, mehr dar\u00fcber nachzudenken, was man machen will. Seine Beteiligung war auch unsch\u00e4tzbar wertvoll, denn so sehr ich in den Kopf eines 75-j\u00e4hrigen kriechen m\u00f6chte, er ist in diesem Alter und wei\u00df daher sehr viel mehr dar\u00fcber. Es w\u00e4re dumm von mir, nicht auf ihn zu h\u00f6ren. Wir diskutieren also viel und das betrifft Schauspieler und andere Crew-Mitglieder, die auch Regie f\u00fchren. Film ist eine kollaborative Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Was schauen Sie pers\u00f6nlich denn gerne f\u00fcr Filme und sind das immer welche, die Sie auch selbst gerne machen w\u00fcrden oder schauen Sie sich auch gerne mal Genres an, in denen Sie keine Filme drehen wollen?<br \/>\n<\/strong>Das einzige Genre, was ich schwierig zu schauen finde, ist Horror. Aber abgesehen davon schaue ich mir alle m\u00f6glichen Filme gerne an und es ist zu fr\u00fch zu sagen, was f\u00fcr Filme ich gerne machen m\u00f6chte. Ich habe gerade erst mein Leben als Filmemacher angefangen und ich h\u00e4tte Lust viele unterschiedliche Filme zu machen. Ich wei\u00df aber noch nicht, was ich in f\u00fcnf Jahren machen will. Es h\u00e4ngt davon ab, in welcher Stimmung man gerade ist und was einen besch\u00e4ftigt. Es k\u00f6nnte eine Kom\u00f6die sein oder eine Romanze \u2013 es gibt so viele M\u00f6glichkeiten! Ich kann jede Sorte Film genie\u00dfen, denn ich glaube, dass sie alle unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse bedienen. Man kann eine Kom\u00f6die \u00fcber die Schule gucken und dann erinnert man sich an die eigene Schulzeit, wenn man mit seinen Freunden rumgehangen und Mist gebaut hat. Es kann da extreme Unterschiede geben. Ich habe an einem Jurassic Park genau so viel Spa\u00df wie an Toni Erdmann.<\/p>\n<p><strong>Das ist eigentlich sogar eine St\u00e4rke des indischen Kinos. Es muss ja nicht gleich ein Masala-Mix sein, aber f\u00e4llt der Genre-Mix indischen Filmemachern teils leichter? In MUKTE BHAWAN scheint das ja auch der Fall zu sein, dass es sehr ernste und komische Momente gibt.<br \/>\n<\/strong>Ja, ich denke, das indische Kino ist bekannt daf\u00fcr. MUKTI BHAWAN ist jetzt nicht so extrem in der Hinsicht wie Masala-Filme. Da hat man Drama, Action, Comedy und Romantik, alles in einem Film. Einer gro\u00dfen Menge an Zuschauern gef\u00e4llt so etwas. Indien ist im Moment ein toller Ort f\u00fcr junge Regisseure, um Filme zu machen. Es entwickelt sich alles schnell weiter. Vor 15 Jahren gab es noch keine gro\u00dfe Bandbreite, heute gibt es eine gro\u00dfe Vielfalt an Stilrichtungen und Genres. Das ist ziemlich cool und ich hoffe, dass es so weitergeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Shubhashish Bhutiani ist ein vielversprechender Newcomer, der mit seinem Kurzfilm KUSH \u00fcber die Aufst\u00e4nde gegen die Sikh-Community 1984 schon Preise gewann, unter anderem beim internationalen Film Festival in Venedig. 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