{"id":828,"date":"2022-09-16T13:15:52","date_gmt":"2022-09-16T11:15:52","guid":{"rendered":"http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/?p=828"},"modified":"2022-09-23T18:56:59","modified_gmt":"2022-09-23T16:56:59","slug":"interview-indira-tiwari-ueber-literaturverfilmungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/chalo-india.de\/chaloindia\/2022\/09\/16\/interview-indira-tiwari-ueber-literaturverfilmungen\/","title":{"rendered":"Interview: Schauspielerin Indira Tiwari \u00fcber Literaturverfilmungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Sie kam am 4. Dezember 2019 nach Mumbai um f\u00fcr Sanjay Leela Bhansalis GANGUBAI KATHIAWADI zu drehen, der inzwischen auch auf Netflix zu sehen ist. Zwei Jahre sp\u00e4ter sprach Indira Tiwari mit der ISHQ \u00fcber ihre ersten Filme, die wegen der Pandemie zun\u00e4chst ohne sie durch die Welt reisten. Der Er\u00f6ffnungsfilm der indischen Filmtage, NAZARBAND, wurde n\u00e4mlich auf mehreren internationalen Filmfestivals gezeigt, nachdem er seine Premiere in Busan feierte. Die Roman-Verfilmung SERIOUS MEN mit ihr fand derweil ein globales Publikum \u00fcber den Streaming-Dienst Netflix und wurde auch sehr gut besprochen. Doch wo kommt die Schauspielerin her, die wir nun in NAZARBAND, der Adaption einer Kurzgeschichte von der bengalischen Autorin Ashapurna Devi im Zuge des Litfilms-Festival bewundern konnten? Wie schafft man es beim Film in Indien, wenn man gar keine Kontakte vorzuweisen hat?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Waren Sie sich immer sicher, dass Sie die Rollen kriegen w\u00fcrden, die Sie wollten, da sie von der National School of Drama kommen? (Dorthin gingen auch namhafte indische Schauspieler*innen wie Irrfan Khan, Neena Gupta, Naseeruddin Shah, Seema Biswas und viele weitere)<br><\/strong>Meine Erfahrung ist da eine andere, aber generell ist es so, dass die Leute von einem Perfektion erwarten, wenn man von so einer renommierten Schule kommt. Man kann sich daher keine Fehler erlauben. Die Leute denken, wenn man von NSD kommt, braucht man nur einen Take, eine Aufnahme. Man kann aber einen ganz eigenen Prozess haben.<br>Wenn man zu einem Vorsprechen geht, dann hat man also \u00fcberhaupt keine Vorteile gegen\u00fcber anderen, die von einem Institut kommen oder einfach ihr Gl\u00fcck versuchen. Bei einem Vorsprechen sind also alle gleich. Wenn man aber die Rolle bekommt, dann hilft die Ausbildung und Talent nat\u00fcrlich, diese gut auszuf\u00fcllen. Vielleicht kriegt man die Einladung zum Vorsprechen, weil man auf so eine Schule gegangen ist oder einem angesehenen Jahrgang angeh\u00f6rt, aber danach ist die Auswahl ein neutraler Prozess. Wenn man Talent hat, dann kann man es also auch ohne so eine Ausbildung schaffen und niemand fragt dich, wo du dein Handwerk gelernt hast.<br>Als ich erfuhr, wie viele erfolgreiche Schauspieler gar keinen Abschluss haben, dachte ich aber auch, dass das gar nicht so leicht sein kann, wenn man sich einmal abseits der Klischee-Rollen bewegen muss. Mit meiner Ausbildung kann ich zum Beispiel wirklich sehr lange in dieser Branche t\u00e4tig sein. Ich habe einen Prozess durch den ich mich auf verschiedene Rollen einstellen kann. Ich denke auf lange Sicht, wird mir das helfen, immer Arbeit zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bei Ihrem Film NAZARBAND gab es aber gar kein Vorsprechen, sondern nur einen Workshop. K\u00f6nnen Sie uns verraten, wie das ablief und was Ihnen lieber war?<br><\/strong>Als ich gerade dabei war einen NSD-Kurs abzuschlie\u00dfen, erhielt ich einen Anruf von dem Regisseur des Films, Suman Mukhopadhyay Sir. Er erz\u00e4hlte mir dann von einer Kurzgeschichte, aus der er einen Film machen wollte und er erinnerte sich dabei an mein Gesicht. Er bot mir also die Rolle an, weil er den Film mit mir machen wollte. Ich kannte das nicht, dass man ohne Vorsprechen ausgew\u00e4hlt wird. Bei diesen Workshops, erz\u00e4hlte er uns dann, was er sich vorgestellt hatte und gab uns Anweisungen, was wir machen sollten.<br>Bei GANGUBAI KATHIAWADI musste ich zu einem Vorsprechen. Ich bekam diese Zeilen, die ich lesen und auf meine Art interpretieren sollte. Es war nett und unkompliziert. Ich bin froh, dass ich beides schon einmal mitgemacht habe. Als ich NAZARBAND einfach so bekam, hatte ich nur irgendwie im Hinterkopf dieses Gef\u00fchl, dass ich aber doch meine Hausaufgaben machen sollte. Also habe ich aus einem Impuls heraus ein Foto-Shooting f\u00fcr die Rolle gemacht und den Regisseur um eine Beschreibung der Figur gebeten. Ich wollte einfach eine Vorstellung haben, was mich an dem Set erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie empfinden diese Vorsprechen nicht als stressig?<br><\/strong>Nein, mittlerweile ist es aber auch so, dass die Regisseure meine Arbeit kennen und daher oft gar nicht wollen, dass ich vorspreche. Aber ich mache es wirklich sehr gerne, weil ich meinen eigenen Prozess daf\u00fcr habe. Ich mache mir einen Tee, schl\u00fcpfe in ein Kost\u00fcm und stelle sicher, dass ich mich darin wohl f\u00fchle. Wenn ich ausgew\u00e4hlt werde, frage ich auch immer meine Regisseure, was ihnen gefallen hat und daraus entwickle ich dann die Figur.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihre Filme NAZARBAND, SERIOUS MEN und GANGUBAI KATHIAWADI sind alle Adaptionen, wobei der letzte nat\u00fcrlich eine reale Vorlage hat und auf einem Sachbuch basiert. Ist das Zufall oder gef\u00e4llt es Ihnen, wenn ein Film eine literarische Vorlage hat?<br><\/strong>Das ist Zufall. Ich habe bislang vier Filme insgesamt gemacht und drei davon basieren auf B\u00fcchern, bzw. NAZARBAND basiert auf einer Kurzgeschichte von Ashapurna Devi. SERIOUS MEN (Ernste M\u00e4nner) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Manu Joseph und die Geschichte von GANGUBAI KATHIAWADI stammt auch aus einem Buch, \u201eMafia Queens of Mumbai\u201c von Hussain Zaidi. <br>Es gibt viel Material zu verfilmen, aber das Drehbuch ist immer die Bibel. Um einen Stoff f\u00fcr das Kino zu adaptieren und ihn gut zu pr\u00e4sentieren, muss man so viel \u00e4ndern! Es h\u00e4ngt auch immer davon ab, f\u00fcr welches Publikum man einen Film macht und ob es zum Beispiel f\u00fcr OTT \u2013 also Streaming \u2013 ist. F\u00fcr SERIOUS MEN habe ich zum Beispiel den Roman gelesen und der ist ganz anders. Es sind zwar die selben Charaktere, aber man hat nur zwei Stunden, um ihre Geschichte zu erz\u00e4hlen, die dabei auch noch unterhaltsam sein soll. Das ver\u00e4ndert Alles.<br>Die Kurzgeschichte von Ashapurna Devi habe ich dagegen gar nicht gelesen, weil sie auf Bengalisch geschrieben ist und mein Regisseur sagte mir, ich m\u00fcsse sie nicht lesen. Sie hatten die Geschichte schon adaptiert und sie hat so viele Ebenen. Jetzt ist sie ganz anders. Es ist gar nicht einfach, die Essenz einer Literaturvorlage her\u00fcberzubringen und es ist noch schwieriger, mit einem Kinofilm alle zufrieden zu stellen, aber das Publikum heutzutage ist anspruchsvoll und offen f\u00fcr so etwas.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nur ein Auszug aus einem ausf\u00fchrlichen Interview mit Indira Tiwari in der <a href=\"https:\/\/ishq.de\/ishq-ausgaben\/ishq173\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ISHQ 173<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:11px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/ishq.de\/ishq-ausgaben\/ishq173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ishq.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/ISHQ173.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"493\"\/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie kam am 4. 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